Wachsverunreinigungen



Entstehung von Bienenwachs:

Die acht Wachsdrüsen der Honigbiene sind paarig an der Unterseite ihres Hinterleibes an den Bauchschuppen des dritten bis sechsten Segments angelegt. Die fertigen Wachsplättchen (Gewicht: ca. 0,0008 g) werden nach hinten zwischen den Schuppen hinausgeschoben.
Die Drüsenaktivität hat zwischen dem 12. und 18. Lebenstag einer Arbeiterin als Baubiene ihren Höhepunkt. Bei besonders hohem Bedarf an neuen Waben, z. B. nach dem Schwärmen, können die Wachsdrüsen älterer Arbeiterinnen wieder aktiv werden.
Die Wachsdrüsen stehen in engem Kontakt zum Fettkörper, der die chemischen Grundstoffe zur Synthese des Bienenwachses liefert. Die Baubienen erhöhen ihren Fettstoffwechsel, um Bienenwachs zu produzieren. Dazu verbrauchen sie sehr viel Zucker.
Es wird geschätzt, dass die Bienen zur Produktion eines Kilogramms Wachs etwa sechs bis sieben Kilogramm Honig verbrauchen.

Bienenwachs besteht aus:

(die angegebenen Zahlen schwanken in der Literatur nicht unerheblich)
ca. 67 % Gemisch aus unterschiedlichen Estern
ca. 12 % freie Fettsäuren
ca. 14 % bis 14,4% gesättigten Kohlenwasserstoffen
  (bei Wachs von afrikanischen Bienen nur 12 bis 12,2%)
ca. 1 % Alkohol
ca. 6 % bis zu 300 anderen Stoffen (z. B. Aromen, Farbstoffe)

Spezifische Eigenschaften:

Dichte 0,95 - 0,97 g/cm3
Schmelzpunkt 62 - 65 °C
Säurezahl 17 - 23
Esterzahl 70 - 80
Verseifungszahl 87 – 103

Verwendung von Bienenwachs:

Kosmetische und pharmazeutische Industrie (Cremes, Salben, Pasten, Lotionen, Lippenstifte) Kerzenfabrikation
Lebensmittelindustrie (z.B. als Überzugs- und Trennmittel bei Gummibärchen; Lebensmittelzusatzstoff E 901)
Imkerei

Weltweit wurden 2012 etwa 400.000t Bienenwachs gehandelt, davon etwa 25 % aus China


Vorschriften / Definitionen für „reines Bienenwachs“:


Pharma-Industrie: Europäisches Arzneibuch (Ph. Eu.)

  - Eigenschaften (Aussehen, Geruch, Dichte, Löslichkeit)
  - Tropfpunkt 61 - 66 °C
  - Säurezahl 17,0 - 22,0
  - Esterzahl 70 – 80
  - Verseifungszahl 87 – 102
  - Test auf Cerein, Paraffin und andere Wachse
  - Test auf Gycerol und andere Polyole

Lebensmittelindustrie: Lebensmittelzusatzstoff E901

  - Eigenschaften
  - Schmelzpunkt 62 – 65 °C
  - Säurezahl 17,0 – 24,0
  - Verseifungszahl 87 - 104
  - Peroxidzahl < 5
  - Test auf Cerein, Paraffin und andere Wachse
  - Test auf Gycerol und andere Polyole
  - Test auf Fett, Japanwachs, Resin und Seifen
  - Test auf Schwermetalle (Arsen, Blei, Quecksilber)

Kerzenhersteller: RAL-GZ 401 (Gütesiegel für Bienenwachskerzen)

  - Tropfpunkt 61 – 65 °C
  - Säurezahl 17,0 – 24,0
  - Esterzahl 70 - 80
  - Verseifungszahl 87 - 104
  - Verhältniszahl 3,3 – 4,3
  - Gesamtkohlenwasserstoffe max. 18 %
Beachtet man die Prozentangaben von max. 18 % an Kohlenwasserstoffen, so ist beim Kerzenwachs eine Zugabe von 4%, bei afrikanischem Bienenwachs sogar von 6 % an Paraffin noch zulässig. Bienenwachs für Bienenwachskerzen ist somit zur Mittelwandherstellung nicht geeignet.
Doch auch die Vorgaben des Europäischen Arzneibuches und der Lebensmittelzusatzstoffe lassen sich laut Dr. Ingo Schulz von Ceralyse durch geschicktes Mischen mit Fetten und synthetischen Estern einhalten.

Imkerei / Mittelwandhersteller:

  - es gibt keine verbindlichen Vorgaben


Wodurch wird Bienenwachs verunreinigt?


Wachsverunreinigungen durch:

Rückstände von Pflanzenschutzmitteln (PSM)
Rückstände von fettlöslichen Varroaziden, Tierarztneimitteln (TAM)
   (z. B. Perizin, Bayvarol, Thymolpräparate)
Rückstände von Wachsmottenabwehr, Repellentien
  (z. B. Imker-Globol, Fabi-Spray)
Paraffin
Stearin

Quellen:

Eintrag von belastetem Pollen, Nektar
Einsatz von fettlöslichen Varroaziden
Strecken von Bienenwachs
Bienenwachs für Kerzenfabrikation

Auswirkungen:

Rückstände im Honig (PSM, TAM)
Resistenzenbildung (TAM)
Paraffin: Wachs wird zu weich, Waben rutschen zusammen
Stearin: Wachs wird härter, Jungbienen können nicht schlüpfen, Brutmortalität (genaue Ursache wird noch erforscht)


„Klassischer“ Wachskreislauf

Altwachs, das am stärksten mit PSM und TAM belastet ist, fließt an die Umarbeiter zurück und kommt als Mittelwand wieder zurück in den Bienenstock. Die Mittelwände werden ausgebaut und eventuell mit weiteren PSM / TAM angereichert und fließt schließlich als Altwachs erneut in diesen Kreislauf ein.
PSM und TAM können meines Wissens nicht durch Umarbeitung entfernt oder reduziert werden, bestenfalls durch Mischung mit unbelastetem Wachs verdünnt werden.
Ein solches System nennt man geschlossenen Kreislauf.
Da solche belastete Mittelwände auch im Honigraum eingesetzt werden, besteht zudem die Gefahr, das PSM und / oder TAM aus dem Wachs in den Honig diffundiert und schlimmstenfalls Grenzwerte überschreitet und der Honig schlußendlich nicht mehr verkaufsfähig ist.
Man vermutet auch, daß Bienen, die in belasteten Waben aufgewachsen sind, belastetes Wachs schwitzen.
Wie die letzten Jahren leider durch die Wachsskandale zeigen, fließt immer öfter mit Paraffin oder Stearin gestrecktes Wachs in diesen Kreislauf. Es wurde sogar schon in zertifiziertem Bio-Wachs Wachsverfälschungen durch Paraffin nachgewiesen.
Teureres Wachs ist also auch keine Gewähr für reines Bienenwachs.

Was können wir tun?

Wir sollten vor allem auf fettlösliche Varroazide zu Gunsten von natürlichen Säuren wie Ameisensäure, Milchsäure und Oxalsäure (bitte nur in zugelassener ad us. vet. Qualität) verzichten. Statt rückstandbildender Wachsmottenmittel sollten wir lieber zu Essigsäure greifen.
Auch auf Repellentien die Rückstände erzeugen sollte zu Gunsten eines Smokers (sparsam eigesetzt) verzichtet werden.
Danach verbleibt im Endeffekt nur die Möglichkeit eines offenen, eigenen Wachskreislaufs, um Verfälschung durch Paraffin und Stearin zu vermeiden und der Anreicherung von PSM vorzubeugen.
Hierbei werden die Waben aus dem untersten Brutraum, der am stärksten belastet ist, getrennt eingeschmolzen und das Wachs aus dem Kreislauf ausgeschleust, beispielsweise als Kerzenwachs. Es werden keine Mittelwände zugekauft, sie werden aus eigenem Wachs gegossen.
Durch den Ausbau von Mittelwänden, Verdeckelungswachs, Baurahmen, produziert ein Bienenvolk etwa 600g bis 1000g Wachs pro Jahr.
Ein großzügiger Wabentausch bringt nicht nur eine Reduzierung von Rückständen im Wachs, es dient auch der Wabenhygiene und nimmt mögliche Krankheitskeime aus dem Volk.
Naturwabenbau durch Rähmchen mit Anfangsstreifen oder halben Mittelwänden bringt mehr frisches Wachs und braucht weniger Mittelwände, geht aber eventuell zu Lasten der Honigmenge. Naturwaben in gedrahteten Rähmchen lassen sich übrigens nach meinen eigenen Erfahrungen genauso gut schleudern wie Waben mit ausgebauten Mittelwänden.
Die reinen Honigwaben, sofern sie nicht zum Wabentausch im Brutraum eingesetzt werden, sollten auch von Zeit zu Zeit eingeschmolzen werden, weil sich durch eingelagerten Honig PSM anreichern können und irgendwann der Level erreicht wird, daß PSM aus dem Wachs in den Honig diffundiert.
Ein eigener Wachskreislauf, so zumindest die Aussage der bayerischen Landesanstalt für Weinbau und Gartenbau, rechnet sich für Imkereien ab 10 bis 15 Bienenvölkern. Kleinere Imkereien können sich aber auch zu Wachsgemeinschaften zusammenschließen.


Quellen:

Wikipedia
Die Honigmacher
Vortrag „Verunreinigungen von Bienenwachs“ 2019, Dr. Annely Brandt
Vortrag „Wachsverfälschungen“ 2017, Dr. Ingo Schulz (Ceralyse)
PDF Johann Fischer (Bayerische Landesanstalt für Weinbau und Gartenbau)
Wachsbroschüre DIB (Johann Fischer, Dr. Werner von der Ohe, Michael Weiler)