Biene oder Wespe?


Als Imker halten wir Bienen.
Wir sind, entgegen aller anderslautenden Ansichten nicht für Wespen und der Entfernung deren Nester zuständig. Sollten Sie mit Wespen ein Problem haben, wenden Sie sich bitte an einen Kammerjäger.

Immer wieder werden wir als Imker zu vermeintlichen Bienennestern gerufen, auf Rückfragen unsererseits wird mit Bestimmheit beteuert, daß es sich um Bienen handelt, nur um dann vor Ort festzustellen, daß es sich tatsächlich um ein Wespennest handelt.
Für uns immer wieder erstaunlich wie oft Bienen und Wespen miteinander verwechselt werden.
Daher nachfolgender Beitrag um zu versuchen, ein klein wenig mehr Aufklärung in dieser Hinsicht zu betreiben.


Hier (Foto oben) eine unserer Bienen.
Gut erkennbar die Behaarung von Kopf und Brust. Auch die grauen Streifen bestehen aus borstenartigen Haaren. Die Beine wie auch die Chitinringe am Hinterleib sind dunkelbraun. Die ersten Ringe des Hinterleibs können auch mal gelblich-orange sein, das hat etwas mit der Bienenrasse zu tun.


Das nächste Foto zeigt eine Deutsche Wespe.
Wie man gut erkennen kann, keinerlei Behaarung. Die Beine sind gelb. Der Hinterleib gelb und schwarz gemustert. Auch Kopf und Brust sind gelb und schwarz gemustert.


Hier das Foto einer Gallischen Feldwespe, auch als Haus-Feldwespe bezeichnet.
Sie gilt als sehr friedlich.
Auch bei ihr fehlende Behaarung und gelbe Beine. Hinterleib, Brust und Kopf ebenfalls gelb und schwarz gemustert.



Ein noch deutlicherer Unterschied zeigt sich beim Nestbau.


Hier ein Exemplar eines Wespennestes der Gemeinen Wespe in einem Dachspeicher.
Es hatte etwa die Größe eines Medizinballs plus seitlichem Erweiterungsbau.
Das Nest besteht aus papierartigem Material, das die Wespe aus zerkauten Holzfasern herstellt.
Bei der Deutschen und der Gemeinen Wespe, die bei uns am häufigsten vorkommenden Wespenarten, besitzt das Nest immer eine äußere Hülle.
Die Waben innerhalb sind tellerartig waagrecht untereinander angeordnet.


Bienen bauen ihre Waben immer senkrecht und nebeneinander.
Sie bauen keine Hülle um ihr Nest. Das Material, Bienenwachs, schwitzen die Bienen aus auf der Unterseite des Hinterleibs angeordneten Wachsdrüsen in Form winziger Wachsschuppen.

Auch in der Lebensweise unterscheiden sich Bienen und Wespen deutlich.

Etwa Mitte April beginnen die überwinterten Jungköniginnen der Wespen mit dem Nestbau und legen die ersten Eier. Die daraus schlüpfenden Arbeiterinnen übernehmen dann die Arbeiten wie Nestbau, Brutpflege und Nahrungsbeschaffung. Die Königin konzentriert sich dann nur noch auf die Fortpflanzung. Mit der Zeit wächst das Nest und umfasst etwa 3000 bis 4000 Tiere.
Im Spätherbst, also etwa Oktober, stirbt die Königin und der Wespenstaat löst sich auf. Bei Kälteeinbruch sterben auch die letzten Arbeiterinnen. Nur die begatteten Jungköniginnen suchen sich ein geschütztes Versteck und überleben den Winter schlafend in einer Winterstarre.

Bienen sammeln Nektar und verarbeiten diesen unter Zugabe von Enzymen zu Honig, den sie in den Waben als Winterfutter einlagern. Das ermöglicht den Bienen den Winter in einer sogenannten Wintertraube zu überstehen ohne in Winterstarre zu fallen.
In der Wintertraube sitzen die Bienen in einer etwa kugelförmigen Ansammlung dicht beieinander. Die äußeren Bienen bewegen die Flugmuskulatur ohne dabei die Flügel zu bewegen und erzeugen damit Wärme. Die weiter innen sitzenden Bienen reichen Honig an die arbeitenden Bienen nach außen weiter. Von Zeit zu Zeit wird dann gewechselt. Ganz in der Mitte sitzt die Königin. In der Wintertraube herrschen ca 25° C unabhängig von den frostigen Außentemperaturen.




Die Hummel sollte eigentlich jeder erkennen. Sie ist gewissermaßen die große Schwester unserer Honigbiene.



Alle Fotos von Marion Müseler-Frisch und Rainer Frisch